Gewalt an Schulen

Gewalt an Schulen
 
Zusammen mit Kooperationspartner/innen bietet die IV NÖ Familien Lösungsvorschläge gegen Gewalt an Schulen an.

 

Interessenvertretung der NÖ Familien als Plattform für Vernetzung gegen Gewalt an Schulen


Die Enquete „Gewalt an Schulen“ hat sich zum Ziel gesetzt, allen Betroffenen Ratlosigkeit und Machtlosigkeit zu nehmen und bestehende Präventionsmaßnahmen in Niederösterreich publik zu machen.

 

Gewalt an Schulen ist kein Thema mehr zum Wegschauen, vielmehr schleicht es sich zunehmend in die Klassen unserer Kinder und tarnt sich als „harmloses“ Hänseln und Schubsen. Aus entwicklungspsychologischer Sicht haben zwar kleine Machtkämpfe zwischen Gleichaltrigen ihre Berechtigung, führen sie aber zu körperlichen oder seelischen Schäden, spricht man von Gewalt. 

Bei der Enquete „Gewalt an Schulen“, am 2. Juni, wurde das Thema von vielen Seiten aufgearbeitet – aus der Sicht der Exekutive (Chefinspektor ERICH BRUCKSCHWAIGER, Landeskriminalamt NÖ), aus der Sicht der Schulpsychologie (Mag. DDr. ANDREA RICHTER, Schulpsychologie-Bildungsberatung, Landesschulrat für NÖ), aus der Sicht der Präventionsstellen (WOLFGANG DOPPLER, Kinder- und Jugendanwaltschaft NÖ und MARGOT MÜLLER, x-point Schulsozialarbeit), aus der Sicht der Schüler (MATTHIAS HANSY, Schülerunion NÖ) und aus der Sicht des NÖ Jugendreferates (FRANZ BAIR, Landesjugendreferat NÖ). Zusätzlich haben sich an der Diskussionsrunde weitere sechs ExpertInnen beteiligt.

 

ExpertInnen-Team und MitarbeiterInnen der Familieninteressenvertretung  

 

Das Problem Gewalt hat viele Gesichter und ebenso viele Lösungen. Und es gibt kein Geheimrezept dagegen. „Gewalt tritt in allen sozialen Einrichtungen auf, auch in der Schule. Wir müssen uns fragen, wie wir sie stoppen können“, so Dr. Josef Grubner, Vizepräsident der Interessenvertretung der NÖ Familien, die die Enquete veranstaltet hat. 

 

„Jede Gewalt hat eine Ursache. Wir müssen bei unserer Präventionsarbeit dort ansetzen, wo diese Gewalt entsteht. Deshalb sind auch Eltern vermehrt gefragt, sich noch intensiver um die Erziehungsarbeit ihrer Kinder zu kümmern und nicht zu delegieren. Denn die Grundverantwortung liegt bei ihnen. Der Anspruch an die Politik ist aber, ein Rahmenprogramm für Hilfsmaßnahmen zu schaffen, das Kinder und Jugendliche dort auffängt, wo sie mit ihren Problemen stehen. Das tut sie auch“, so Landesrätin Dr. Petra Bohuslav bei ihrer Eröffnungsrede.

Auch wenn das Thema „Gewalt an Schulen“ lautet, so entsteht Gewalt in den seltensten Fällen durch die Schule. Die Kinder und Jugendlichen kommen mit einer Vorgeschichte, sind geprägt vom Elternhaus und dem privaten Umfeld. In der Schule zeigen sich oftmals nur die Folgen. „Vorfälle, die eindeutig gewalttätig sind, werden von gestressten oder überforderten Eltern bagatellisiert oder mit Bemerkungen wie, lass dir nicht alles gefallen, entwertet. Und Kinder werden wieder Gewaltopfer – auch diese Missachtung durch die Eltern ist ein Gewalterlebnis“, erklärt Wolfgang Doppler von der Kinder- und Jugendanwaltschaft NÖ.

 

Meist tritt Gewalt auf der verbalen Ebene in den Zeiten der Pubertät auf. Allerdings gibt es einen „harten Kern“, das sind Kinder und Jugendliche, die gewaltsame Konfliktlösungen fest in ihr Verhaltensrepertoire aufgenommen haben und ständig gegen gesellschaftliche Konventionen verstoßen. Man spricht hier von etwa 3% der Jugendlichen, die 30% der Straftaten begehen. „Erfolgreiche Interventionen brauchen Zeit, viel Energie und auch einiges an finanziellen Ressourcen, um sinnvoll durchgeführt werden zu können“, so DDr. Andrea Richter, Schulpsychologie-Bildungsberatung, Landesschulrat für Niederösterreich. 

 

Die Enquete „Gewalt an Schulen“ hat sich zum Ziel gesetzt, allen Betroffenen Ratlosigkeit und Machtlosigkeit zu nehmen und bestehende Präventionsmaßnahmen in Niederösterreich publik zu machen.

 

Zu diesem Zweck hat die Interessenvertretung der NÖ Familien einen Folder erstellt, in dem sämtliche Initiativen und Organisationen angeführt sind, die bei Gewalt an Schulen hilfreich zur Seite stehen können. Den Folder finden Sie ganz unten auf der Seite unter “Präventionsstellen”.

 

Gewalt kann auch ein Hilferuf sein!


Opfer zu sein darf keine Schande sein, keine Schwäche, die weitere Gewalttaten nach sich zieht.  Opfer sollen/müssen über ihre Gefühle und Befindlichkeit reden können. Eltern müssen ihren Kindern Schutz und Stütze sein und nicht in Frage stellen, dass Gewalt geschehen ist.Die Täterin/der Täter andererseits muss ebenfalls die Möglichkeit haben, über das Geschehene zu reden, um auf diese Art und Weise Erfahrungswerte darüber zu sammeln, was im gesellschaftlichen Kontext in Ordnung ist und was nicht und Hilfestellung bekommen, wie sie/er anders als mit Gewalt reagieren kann.

Strafen (egal von wem) sind sicherlich notwendig - im Sinne von Konsequenzen für seine Handlungen erfahren, für sich allein schaffen sie aber selten Veränderungen.

 

Gegenmaßnahmen 

 

Auf der Schulebene:


  1. Verbesserte Aufsicht und schnelles entschlossenes Eingreifen der Lehrpersonen – nach dem Motto „hinschauen, statt wegschauen“.
  2. Verlässliche Ansprechpartner für SchülerInnen, die entweder selbst Opfer von Gewalt wurden oder Gewalt melden wollen.
  3. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Lehrern und Eltern, um die neue Vorgehensweise zu klären und Eltern die Problemlage näher zu bringen,
  4. Lehrergruppen, die sich im Austausch stützen und gemeinsam an der Verbesserung des Schulklimas arbeiten.
  5. Arbeitsgruppen von Elternvertretern, die einerseits die Sichtweise der Familien in die Arbeit einbringen und auf der anderen Seite überlegen, wie sie die Schule bei ihrer Arbeit unterstützen können.

 

Auf der Ebene der einzelnen Klasse:


  1. Das gemeinsame Erarbeiten von Klassenregeln inklusive möglicher Konsequenzen bei deren Nichteinhaltung, die einfach strukturiert sein sollten und ständig wieder ins Bewusstsein gerufen werden müssen z.B. auch durch Rollenspiele.
  2. Neben Strafen für Verstößen auch häufige Anerkennung für positive Beiträge zum Klassenklima und Projekte zur Verbesserung der Kooperation in der Klasse.
  3. Wöchentliche Klassengespräche, in denen Probleme aber auch Fortschritte im Miteinander besprochen werden, die ein wesentlicher Teil des Programms sind.

 

Auf der persönlichen Ebene:


  1. Klärende Gespräche mit „Tätern“ und „Opfern“ von Gewaltvorfällen und mit deren Eltern. 
  2. Programme zur Stärkung individueller Kompetenzen, wie etwa so genannte „Life-Skills“.

 

Fazit: Wir stehen dem Thema nicht hilflos gegenüber!

 

Christina Eder (Interessenvertretung der NÖ Familien), Dr. Josef Grubner (Vizepräsident Interessenvertretung der NÖ Familien), Margot Müller (x-point Schulsozialarbeit), Wolfgang Doppler (NÖ Kinder- und Jugendanwaltschaft), Matthias Hansy (NÖ Schülerunion), Mag. Elisabeth Eppel-Gatterbauer (GF Interessenvertretung der NÖ Familien), DDr. Andrea Richter (Schulpsychologie-Bildungsberatung, Landesschulrat f. Niederösterreich), Franz Bair (NÖ Jugendreferat), Chefinspektor Erich Bruckschwaiger (Landeskriminalamt NÖ), Dr. Peter Pitzinger (NÖ Familienreferat), Dr. Eckehard Quin (AHS-Gewerkschaft NÖ), Dr. Alfred Brader (Departmentleiter für angewandte Kindheits- und Jugendwissenschaft an der PH NÖ in Baden), Mag. Marianus Mautner (ÖBM-Bundessprecher) und Marion Schwab (Institut ko.m.m)
 
COPYRIGHT: IV NÖ Familien

 

Dokumente zum Downloaden

 

DDr. Andrea Richter

 

Wolfgang Doppler

 

Präventionsstellen