8. Pädagogische Fachtagung
8. Pädagogische Fachtagung

8. Pädagogische Fachtagung

Freitag, 27. April 2012 - 12:00

Die Interessenvertretung der NÖ Familien lud gemeinsam mit der PH NÖ, dem LSR f. NÖ und der NÖ Kindergartenabteilung zur 8. Pädagogischen Fachtagung für Eltern, Pädagoginnen und Pädagogen. Das Thema der diesjährigen Fachtagung lautete:

Moderne Gehirnforschung
Chancen und Grenzen für das Lernen in Kindergarten und Schule

 

Steuern wir das Gehirn – oder das Gehirn uns? 
Und kann die Hirnforschung beim Lehren und Lernen helfen?

Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, bedarf es mehr als Fakten über die Arbeitsweise des Gehirns, denn selbst Hirnforscher sind sich nicht einig darüber, ob wir fremd gesteuert ohne „Ich“ oder doch selbstgesteuert mit einer gehörigen Portion „Ich-Faktor“ sind. Genau hier sehen wir einmal mehr die Grenzen, aber auch die Chancen der Gehirnforschung und deren Auswirkungen für die in der pädagogischen Praxis Tätigen, die sich z. T. „Zauberformeln“ für das Lehren und Lernen erhoffen.

Was ist nun das Diskussionswürdige bzw. das Besondere an den Ratschlägen namhafter Hirnforscher?

Prof. Dr. Josef Grubner, Vizepräsident der NÖ Familieninteressenvertretung und wissenschaftlicher Betreuer der Pädagogischen Fachtagung: „Aufhorchen lässt zum Beispiel der Befund einiger Gehirnforscher, der Mensch bilde sich seine Willensfreiheit nur ein, er ist selber nur ‚Konstrukt’ eines (ihm) selber unzugänglichen realen Gehirns. In unserem Denken, Wollen und Tun sind wir, so wird behauptet, nur Anhängsel von Naturvorgängen und dadurch biologisch determiniert.“ Die Frage ist nun, lernt das Gehirn ohnehin automatisch oder lernt der denkende und urteilende Mensch, weil er ein funktionierendes Gehirn hat?

Prof. emer. Dr. Freerk Huisken (Universität Bremen) bringt ein interessantes Willensverhältnis zwischen den Lernenden und den Lehrenden in die Diskussion ein: „Jedes Lernen, besonders das in Schulen, ist seinem elementaren Kern nach eine Beziehung zwischen zwei Willen: Ein junger Mensch will etwas lernen, entdeckt, dass ihm im geistigen und praktischen Umgang mit seiner Umwelt Fähigkeiten, Kenntnisse und Urteile fehlen. Um diesen Mangel zu beheben, braucht es Menschen, die sich erstens in dem ‚Lernstoff’ gründlich auskennen und die zweitens den Willen haben, ihn anderen zu vermitteln.“ Ohne dieses korrespondierende Willensverhältnis funktioniere laut Huisken kein Lernen.

Dr. Nicole Becker (Georg-August-Universität Göttingen): „Zunehmend möchten pädagogische Fachkräfte ihr Handeln nicht mehr ‚nur pädagogisch’, sondern auch neurowissenschaftlich begründen. Man verspricht sich von der Hirnforschung jene harten Fakten über frühkindliche Entwicklung und begünstigende Faktoren, die Erziehungswissenschaft und (Entwicklungs-) Psychologie anscheinend bislang nicht liefern.“

Die Option, dem Gehirn bei seiner Arbeit – und insbesondere beim Lernen – zusehen zu können, scheint offensichtlich noch meilenweit in der Ferne zu liegen. Es fragt sich überhaupt, ob sie jemals eingelöst werden könne. Was allerdings sofort ins Auge gefasst werden kann und soll, ist laut Grubner eine kritische Kooperation zwischen erziehungswissenschaftlichen und neurowissenschaftlichen Ansätzen. Und dies ist die angepeilte Aufgabe der 8. Pädagogischen Fachtagung am 27. April im NÖ Landhaus in St. Pölten.

Die Interessenvertretung der NÖ Familien leistet mit dieser Fachtagung "Aufklärungsarbeit", weil sie bewusst und absichtlich die Orientierung suchenden Eltern und PädagogInnen aus dem Kindergarten- und Schulbereich dergestalt aufzuklären versucht, dass manche in der Öffentlichkeit plausibel erscheinende Hilfestellungen für die pädagogische Praxis eigentlich nicht die erwartete Hilfe bringen (können).

Die Pädagogische Fachtagung 2012 wurde von der Interessenvertretung der NÖ Familien in Zusammenarbeit mit der Pädagogischen Hochschule NÖ in Baden, der Abteilung Kindergärten für NÖ und mit dem Landesschulrat für NÖ durchgeführt.

 

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